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Exhibition: Sprechende Steine – Ur- und frühgeschichtliche Gesellschaften Zentralasiens im Spiegel ihrer Felszeichnungen

30. Jan 2020 @ 0:00 - 20. Mar 2020 @ 0:00

Exhibition: Sprechende Steine – Ur- und frühgeschichtliche Gesellschaften Zentralasiens im Spiegel ihrer Felszeichnungen

Zeit: 18 bis 20 Uhr
Ort: KWZ 0.607

Die Völker Zentralasiens hinterließen über die Jahrtausende einen überaus reichen Fundus von schriftlosen Steindenkmälern, die nicht nur aufgrund ihres künstlerischen Ausdrucks, sondern vor allem auch aufgrund der Rückschlüsse, die wir auf die damaligen Gesellschaften ziehen können, von hohem Interesse für uns sind.

 

Aufgrund der Ausbreitung frühzeitlicher archäologischer Kulturen können wir auch die Wanderungsbewegungen ethnischer Gruppen in Zentralasien zu mindestens andeutungsweise erahnen. Grundsätzlich gesehen haben wir seit der Jungsteinzeit (ca. 8000 bis 3550 v.Chr.) und dann vor allem in der Bronzezeit (ca. 3500 bis 1000 v.Chr.) und frühen Eisenzeit eine West-Ost Bewegung aus den Gebieten der Schwarzmeersteppen und der heutigen Türkei bis hin zum Altai-Gebiet, Sinkiang und dem westlichen indischen Subkontinent. Indogermanische Sprachen wie Sogdisch entlang der Seidenstraße, Tocharisch in Sinkiang oder Sanskrit in Indien, die bis in historische Zeit nachweisbar sind, sowie Mumien aus den Eiskurganen des mongolischen und russischen Altai sowie Trocken-Mumien aus der Wüste Taklamakan in Sinkiang zeugen hiervon. Aber auch die Darstellung von Wagen auf bronzezeitlichen Petroglyphen Zentralasiens. Die „indogermanischen“ Skythen besaßen von Pferden gezogene Streitwagen und eroberten weite Teile Zentralasiens. Der „skythisch-sakische Kulturraum“ erstreckte sich bis nach Südsibirien und die westliche Mongolei und dominiert diese Region bis in die Zeit um Christi Geburt.

Die Hsiung-nu, die vom 3. Jh. v.Chr. bis zum 1.Jh. n.Chr. ihre Steppenreiche im östlichen Zentralasien bauten und die wahrscheinlich nicht mit Atillas Hunnen verwandt waren, lassen sich ethnisch nicht eindeutig zuordnen. Nach dem Untergang der Hsiung-nu begannen alttürkische Stämme wie die Rouran (Juan Juan) und die Tabgatch (Tuoba Hsien-bi) die heutige Mongolei und angrenzende Gebiete zu beherrschen. Eine türkisch-mongolische Gegenbewegung von Ost nach West nimmt in dieser Zeit ihren Anfang. Die ältesten turksprachigen Steininschriften in der alttürkischen Runenschrift aus dem 5. bis 8.Jh. n.Chr. finden sich in der Mongolei, Kirgisien, Kasachstan und Südsibirien.

Die typischen anthropomorphen Steinstelen („Balbal“) in den zentralasiatischen Steppen werden als Grabfiguren der frühmittelalterlichen alttürkischen Völker verstanden. Ihre Wurzeln lassen sich jedoch bis in die Steinzeit oder doch mit einer klaren Entwicklungslinie als Figuren auf Grab- und Opferstätten bis in die spätbronzezeitlichen Kulturen der Hirschsteine und der eisenzeitlichen „skythischen“ Kurgane zurückverfolgen. Diese „Balbals“ zeigen uns Kleidung und Haartracht, Schmuck, Waffen und religiöse Symbole der Völker, die sie repräsentieren, zunächst in stark abstrahierter Form auf  Hirschsteinen und dann in recht realistischen, plastischen Darstellungen in der frühmittelalterlichen Periode. Mit der Ankunft des Islam in Zentralasien verschwinden menschenähnliche Darstellungen.

Diese Ausstellung zeigt Petroglyphen vor allem der Bronze- und Eisenzeit, Hirschsteine der Bronzezeit und frühmittelalterliche Stelen in Menschenform, alle als Reflektion der menschlichen Gesellschaft in schriftlosen Kulturen, die sich über die Jahrtausende anhand dieses kontemporären Bildmateriales darstellen läßt. Im Lichtbildervortrag werden wichtige Fundstätten in der Mongolei, Kirgisien und Kasachstan vorgestellt. Ausstellung und Vortrag sind frei.

 

Foto: Kirk Siang, Petroglyphs, Cholpon-Ata, Kyrgyzstan, Central Asia. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)
https://flic.kr/p/2dMfVRF

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Start:
30. Jan 2020 @ 0:00
End:
20. Mar 2020 @ 0:00
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